So seh´n Sieger aus …

Triathlon

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Juli 16, 2008

… So sang der Fan-Club der SG Poseidon Eppelheim am Abend der diesjährigen, und laut Presse wohl auch bisher härtesten Quelle Challenge in Roth. Sieger war sowieso jeder Teilnehmer, der unter diesen extrem schlechten Wetterbedingungen sein Rennen absolvierte.  Der sintflutartige Regen, der bis auf kurze Unterbrechungen fast den ganzen Tag anhielt, trieb alle Sportler an ihre Grenzen. Bemerkenswert war allerdings, dass trotz des schlechten Wetters um die 90.000 Zuschauer eisern am Straßenrand standen und tatkräftig anfeuerten.

Debüt-Starter von der SG Poseidon war Hartwig Rausch, der in einer Endzeit von 11:49:05h seinen ersten Ironman finishte, und nach dem Zieleinlauf, fassungslos über seine erreichte Leistung, seinen kompletten Fan-Club zu Tränen rührte. Ein weiterer emotionaler Höhepunkt dieses Wettkampfes war der unerwartete Ausstieg von Uwe Förster nach etwa der Hälfte der Radstrecke. Er gehörte leider zu den Teilnehmern, welche dem nasskalten Wetter nicht standhalten konnten. Dagegen half auch seine gute Wettkampfvorbereitung nicht, und er musste machtlos über seinen Körper im Rot-Kreuz-Zelt wegen Unterkühlung betreut werden.

Neben den beiden Einzelkämpfern gingen auch drei Staffeln des Vereins an den Start, in denen jeder Einzelne wieder versuchte über sich selbst hinaus zu wachsen, und in denen tatsächlich viele persönliche Ziele übertroffen wurden.

Auch die mit angereiste fast 15-köpfige Supporter-Truppe der SG Poseidon gab wieder ein Mal ihr Bestes, um -auch Dank des Einsatzes eines ausgeklügelten Roadbooks- alle Starter an den entscheidenden Stellen des Wettkampfes zu unterstützen und anzufeueren.

Abschließend noch zwei Zitate der Einzelstarter:

Hartwig: “Diese Challenge zu finishen war einer der größten Momente in meinem Leben."

Er wäre aber unbedeutend, hätte ich ihn nicht mit solch großartigen Menschen teilen können.“

Uwe: “Ihr wart echt super. Vielen Dank an alle die dort waren. Ich hätte euch auch gerne noch etwas mehr Wettkampf geboten, aber ich denke es war richtig aufzuhören.“

Hier die einzelnen Ergebnisse:

Schwimmen 3,8km, Radfahren 180km, Laufen 42,195  km

Hartwig Rausch:        Schwimmen:     1:12:02h
                                  Radfahren:        5:58:06h
                                  Laufen:             4:28:21h
                                  Gesamtzeit:      11:49:05h ( 328. AK )

Uwe Förster:              Schwimmen:     1:24:14h

Staffel: Suthomi´s:     
Susanne Weber:          Schwimmen:     1:00:02h (24. bei Mixed-Staffeln)
Oliver Schubert:           Radfahren:        4:52:38h (7.)
Michael Schäfer:          Laufen:             3:45:15h (113.)
Gesamtzeit:                                         9:40:45h (26. von 207)

Staffel: Flotter Dreier Eppelheim:
Martin Haubner:           Schwimmen:     1:02:22h (44. bei Mixed-Staffeln)
Stefan Pflüger:             Radfahren:        5:54:05h (107.)
Susanne Haubner:        Laufen:             3:21:54h (45.)
Gesamtzeit:                                        10:22:09h (53.)

Staffel: Eine Affaire in Roth:

Klaus-Georg Deck:       Schwimmen:     1:00:14h (27. bei Mixed-Staffeln)
Tina  van  der Zee:        Radfahren:        6:39:29h (188.)
Susanne Heiß:             Laufen:             3:55:39h (130.)
Gesamtzeit:                                        11:38:44h (158.)

Und hier der bewegende Erlebnisbericht von Hartwig Rausch:

"Nach alter Tradition nun auch ich mein ganz persönlicher Challenge-Bericht. Wo fange ich da am besten an? Mit der Zylinderkopfdichtung des Transit? Nein, das erzählt sich besser bei einer Cola- Light. Wie wäre es mit dem Sonntag morgen, 0600 an der Wechselzone.

Schon bei der Verabschiedung von Myri war ich emotional so angespannt, das mir die ersten Tränen in den Augen standen. Ein Jahr lang hatten Myri und ich auf diesen Tag hin gearbeitet und heute sollte es soweit sein. Ich konnte es kaum fassen. Also, nachdem Myri weg war, war ich dann doch wieder mit der ganzen Aufmerksamkeit beim Wettkampf. Fertig einchecken, warmlaufen, umziehen und ab ins Wasser. Dort erfasste mich eine selige Ruhe, die sich auch in meiner Schwimmzeit wiederspiegelte.

Also, mit dem Startschuss mitten ins Getümmel und ein bisschen Spaß haben. Da eine kassieren, dort eine oder zwei Watschen verteilen, wie es sich halt so gehört bei einem schönen Schwimmstart. Das hatte sich aber schnell gelegt und ich konnte dann schön in die nächsten zwei Gruppen rein schwimmen und dort auch immer wieder mal meinen zierlichen Körper zum Einsatz bringen. Unterwegs hatte ich dann immer wieder ans Ufer geschaut, um einen Blick auf meine Supporter zu erhaschen. Das kostete etwas Zeit, aber bei dem Wetter war die eh nebensächlich.

Nach 1°12'' kam ich dann schön relaxt aus dem 20°C Wasser. Beutel schnappen und ab ins Wechselzelt. Da ging die Rempelei dann grad weiter. Von der Decke kam ein Sprühnebel an Wasser und tausende von Leuten wechselten im Zelt. Aber sonst war alles klar. Ich tänzelte kurzerhand wie die Eisprinzessin zwischen allen anderen durch (immerhin viel keiner um), ergatterte mir einen freien Platz und begann mit meinen Blitzwechseln von unter 7 Minuten. Neo runter, alles abtrocknen, Unterhemd, Trikot, Armlinge und Pirat an und schön trocken zum Rad.

Trocken bin leider nur nie angekommen. Noch bevor ich auf dem Rad in die Schuhe geschlüpft war, war ich klatsch nass. Ich also rauf auf die Brücke und rein in den Poseidon Support. Glücklich rollte ich in die erste Runde und das Lächeln sollte bis zum Solarer Berg nicht abreisen. Was konnte mich schlechtes Wetter ärgern, solange diese Team mit dem Herzen bei mir war. Nach Hipoltstein runter hat mir das Herz voll Erwartung schon bis zum Hals geschlagen. Am Fuße des Solarer Berges war die Stimmung schon wie Karneval. Langsam schob ich mich die Steigung hoch, um alle Eindrücke in mich auf zu nehmen. Und dann kam's, der Lärm, den die mir Poseidon- Crew entgegen hämmerte hat mich fast vom Rad geschleudert. Viel zu schnell für meinen Geschmack musste ich dieses Stück Himmel schon wieder verlassen. Den Rest des Berges musste ich Blind fahren, da der Blick die ganze Zeit verschwommen war.

Die zweite Runde viel mir leider etwas schwerer, da ich dann doch der Kälte und dem hohen Tempo der ersten Runde Tribut zollen musste. Zusätzlich begann meine Achillesferse zu schmerzen. Da hatte ich dann auch die ersten Zweifel am Finish, da mir ein Marathon nicht machbar erschien.

Aber eins war klar, Wechseln musste ich auf jeden Fall, denn da warteten ja ein paar Freunde auf mich. Also Runter vom Rad und rein in die Laufschuhe. Außerdem schlupfte ich in ein leichtes Laufshirt, was sich später noch als Fehler herausstellen sollte.

Raus aus dem Wechselzelt, vorbei an 15 Dixies (hab nicht eins gesehen) rein in den Poseidon Support incl. Uwe. Muss man sich mal überlegen, scheidet der Uwe selbst wegen Unterkühlung aus und rafft sich dann wieder auf um mir seine Kraft mit auf den Weg zu geben, unglaublich. Beim Laufen hielt ich mich dann an den Tipp von Björn (ihr kennt ihn als Veranstalter vom Kraichgau- Challenge): „immer nur von einer Verpflegungsstelle bis zur nächsten zu denken und laufen. In der Zone beim gehen essen“. Das lief auch alles bis km 24. Dann kam der Regen zurück, und mit ihm die Kälte. Aber der HTL tankte sich durch konnte bis km 28 weiterlaufen. Immer wieder wurde ich auf der Laufstrecke durch Unterstützung überrascht. Mal standen plötzlich Myri, Thomas und Jenny an der Strecke oder auf einmal kam Matze aus dem Nebel und ermutigte mich weiter zu kämpfen, als ich nach km 32 immer wieder gehen musste. Am letzten Wendepunkt sprangen plötzlich wieder alle in mein Blickfeld. Alter Schwede, was hätte ich nur ohne diese Crew getan. Bei km 40 war ich so gefrustet wegen der Geherei, das ich am liebsten alles hin geschmissen hätte. Ging aber nicht, da warteten ja ein paar Leute auf mich. Das war der Zeitpunkt, an dem ich zum ersten mal bewusst auf die Uhr geschaut und nachgerechnet habe. In diesem Moment war ich 11°40'' unterwegs. Ich musste also nur noch 2 km in 20'' laufen und hätte meinen Traum mit Sub12 erreicht. Das war dann die Wende in meiner Odyssee und die Moral war zurück.

Als ich dann am Zielkanal ankam war alle Last von mir gefallen und ich konnte sogar noch einen Mitstreiter zum mitlaufen überreden. Gemeinsam überquerten wir unter tosendem Beifall und den Augen meines Poseidon- Zugs die Ziellinie. Ich konnte es kaum fassen. Ich hatte mit über 95kg (was mir manche Unwissende als unmöglich prognostizierten) endlich meinen ersten Ironman unter 12° gefinisht.

Myris Rücksichtnahme und Liebe, Schmiddies Pläne und der Support der Freunde hatten es mir ermöglicht diese unglaubliche Projekt zu bestreiten. Ich glaube die Emotionen über diese Unterstützung waren mir deutlich anzusehen.

Diese Challenge zu finishen war einer der größten Momente in meinem Leben. Aber wäre unbedeutend, hätte ich ihn nicht mit solch großartigen Menschen teilen können.

Auch während ich dies hier niederschreibe stehen mir immer wieder die Tränen in den Augen und ich möchte einfach nur Danke sagen für alle Unterstützung, die ich auf diesem langen Weg erhalten habe.

I´m a fucking Ironmaaaaaaaaaaaaaaan!!!"

roth roth2